Herbstnebel

Düster, gruselig, mystisch sind oft gehörte oder gelesene Reaktionen auf meine Nebelfotografien. Für mich verkörpern sie jedoch noch etwas anderes. Nebel ist mein Sinnbild für Entspannung. Er vereinfacht Komplexes, verhüllt Störendes und verdeutlicht dadurch Interessantes.

So wie Nebel bei manchen Menschen ein ungutes Gefühl auslöst, bringt er in mir bei seinem Anblick ein Gefühl des Glücks hervor. Im Nebel sieht die Welt einfach gleich ganz anders aus. Je dichter er ist, desto mehr verschwindet das Chaos der Welt und bei mir zieht ein Gefühl der Ruhe und Entspanntheit ein.

Ich habe euch hier eine kleine Auswahl meiner diesjährigen Herbst-Nebel-Fotografien zusammengestellt. Ich bin gespannt, welche Emotionen sie bei euch hervorrufen…

Bleibt gesund und entspannt!

Eine gedankliche Zeitreise

Stille liegt über der Alb und kein Wölkchen zeigt sich am noch dunklen Himmel…

Mein Weg führt mich zu einem der bekanntesten Ausblicke am Rande der Alb – dem Eichfelsen im Donautal. Es ist einer der wenigen Orte, die ich zumindest in einer gewissen Regelmäßigkeit besuche. Mein letzter Besuch lag 9 Monate zurück. Damals war es nur ein sehr kurzer Besuch, mit einem quasi schnellen Blick ins Tal um dann wieder von Dannen zu ziehen. Dieses Mal war das anders…

Schon auf dem Weg zu dem Aussichtspunkt sah ich in der Ferne ein helles Band, das sich in der Dunkelheit über den Boden spannte. Je näher ich kam, desto deutlicher erkannte ich, dass sich um Bodennebel handelte.

Als mir dies bewusst wurde, kam bei mir das erste Mal an diesem Morgen die wage Hoffnung auf, dass etwas Nebel auch durch das Donautal selbst wabern könnte. Das letzte Mal durfte ich ein solches Ereignis 2017 bewundern. Und tatsächlich, der Blick vom Eichfelsen – noch deutlich vor Sonnenaufgang – offenbarte mir einen wahren „Nebelfluss“, durch das Donautal .

Das einzige Anzeichen von Zivilisation war in diesem Moment, das Schloß Werenwag, das heute noch von einem Familienzweig des Hauses Fürstenberg bewohnt wird. Mir kam der Gedanke, dass sich dieser Anblick so schon vor hunderten von Jahren gezeigt haben musste. Klar, denn das Schloss geht auf eine Burg aus dem 11. Jahrhundert zurück.

Meine Fantasie ging aber noch weiter zurück. Denn ohne die Ansicht menschengemachter Lichtquellen könnte das Tal schon vor Jahrtausenden ähnlich ausgesehen haben. Der Nebel der durch das Tal fließt und die Wälder entlang des Hangs. Ganz so wie bei meinem Blick in die entgegengesetzte Richtung des Eichfelsen.

Beim Anblick der typischen Donautalfelsen gingen meine Gedanken noch viel weiter in der Erdgeschichte zurück. Denn sie sind das sichtbare Zeichen, dass an dieser Stelle vor Jahrmillionen ein Jurameer war. So imposant die Felsen über dem Tal emporragen, so faszinierend finde ich die Vorstellung, dass dieses Gestein durch Schwämme im Meer entstanden sind.

Die ersten wärmenden Strahlen, die die Sonne über das Donautal schickte, holten mich dann wieder zurück in die jetzt-und-hier-Zeit. Denn diesen Anblick kann man am Besten in genau dem Moment genießen, in dem er stattfindet. Kein Bild der Welt kann dieses wärmende Gefühl vermitteln, wenn nach der kalten Nachtluft die Sonne das Gesicht erwärmt.

Die Sonne ist aber nicht nur fähig ein wärmendes Gefühl zu erzeugen. Sie kann auch wundervolle optische Skulpturen erschaffen. Damit schaffte sie es an diesem Morgen mich nach meiner gedankliche Zeitreise auch noch für ein paar Momente in eine andere Welt zu schicken, in die Welt der tanzenden Lichtstrahlen.

Bleibt entspannt…

Auf der Suche nach dem Alpenbock

Es ist Juli. Und es heiß. Das richtige Wetter für den Alpenbock der Temperaturen über 30 Grad liebt. Diese geschützte Käferart, die nur an wenigen Stellen auf der schwäbischen Alb vorkommt, war vor kurzem Grund für ein persönliches Experiment: der Versuch auf die Suche nach einem Motiv zu gehen.

Das hört sich vielleicht etwas seltsam an, aber meine Art der Fotografie ist normalerweise darauf ausgelegt, dass mich die Motive eher „finden“ und nicht umgekehrt. Zumindest empfinde ich dies so, da es zuvor weder Planung noch eine Bildvorstellung für mich gibt.

Und hier wollte ich mit diesem „Selbstversuch“ eine neue Erfahrung machen. Ich wusste, dass das Wetter passend dafür sein könnte, den seltenen Alpenbock in seinem natürlichen Umfeld zu erleben. Obwohl es noch früh in der „Alpenbock-Saison“ war machte ich mich daher auf den Weg in eines seiner Reviere um zu erkunden, wie sich die bewusste Suche nach einem Motiv emotional von meiner sonst üblichen Art der Fotografie unterscheidet.

Der erste Unterschied war bereits auf dem Weg durch den Wald erkennbar. Denn die etwa 20-minütige Wanderung war nicht wie sonst ein absichtsloses Gehen, sondern es war der Weg zu einem Ziel. Zumindest fühlte sich es so an, da ich mir nicht wie sonst die Gelegenheit nahm, in Ruhe links und rechts des Weges nach Motiven zu schauen.

Als mir dies nach einigen hundert Metern bewusst wurde versuchte ich meinen Schritt zu verlangsamen, den Weg das Ziel sein zu lassen. Aber schnell spürte ich, dass sich meine Gedanken zu sehr darum kreisten, ob ich einen der Käfer zu sehen bekommen werde. Also beschloss ich, dem Drang des Zieles nachzugeben und den Weg „hin zu Etwas“ zu gehen anstatt „auf dem Weg“ zu sein.

In seinem Revier angekommen begann ich mit der Suche nach dem Alpenbock. Ich hoffte, ihn durch seine blaue Farbe auf einem Stapel frisch gefällter Buchenstämme leicht erspähen zu können. Leider war die Suche dort vergeblich. Daher streifte ich weiter durch den Wald, nun auf der Suche nach abgestorbenen, aber noch stehenden Buchen, die ihm als Brutbaum dienen könnten.

Nach kurzer Zeit fand ich ein solches Baum-Exemplar, das zwischen grünen stacheligen Sträuchern mit seiner morbiden Schönheit Richtung Himmel emporragte. Ich ließ meinen Blick über den teils rindenlosen Stamm schweifen, konnte aber beim Umrunden des Baumes nirdens das Blau des Alpenbocks erkennen. Vielleicht war es ja doch noch zu früh im Jahr oder es war nicht heiß genug… der Wind am Albtrauf war ja doch um einiges frischer als dies bei meinem Start im Alb-Vorland war…

Als ich mir diese Fragen stellte wurde mir ein weiterer Unterschied zu meinen sonst üblichen Fototouren bewusst. Das Gefühl von Enttäuschung, nicht das zu finden, was ich gesucht habe. Und das kann es nur geben, wenn man tatsächlich nach etwas bestimmten Ausschau hält. Es war zwar noch früh am Mittag, aber dennoch fragte eine innere Stimme in mir, ob der Weg nicht umsonst war. Naja, eigentlich war das quatsch, denn es war ja ein netter Spaziergang zu dem Ort, der für sich selbst ja auch schon wunderschön ist. Aber dennoch war da das Ziel des Alpenbocks das in diesem Moment in Frage gestellt war.

Ich drehte mich schon Weg zum Weitergehen als ich im Augenwinkel gerade noch eine Bewegung wahrnahm. Da krabbelte etwas. Nein, nicht blau, er wirkte eher grau. Vielleicht hatte ich ihn deshalb zunächst nicht gesehen, da er sich bei diesem Blickwinkel nicht wirklich von der Farbe des toten Stammes unterschied. Aber er war da. Mein erster aktiv gesucht und tatsächlich gefundener Alpenbock. Und das war dann wiederum eine Emotion die es halt auch nur bei einem vorhandenen Ziel gibt. Es letztlich tatsächlich erreicht zu haben.

Hier der Blick „aus dem Augenwinkel“

Letztlich gelang es mir, auf zwei verschiedenen Bäumen zwei dieser wundervollen Geschöpfe zu erspähen. Ein paar fotografische Eindrücke möchte ich hier präsentieren. Viel Spaß beim Betrachten!

Rückblickend kann ich sagen, es war ein tolles Erlebnis. Ein fotografisches Ziel anzuvisieren und das Glück zu haben, das Motiv auch tatsächlich zu finden. Aber ich muss auch zugeben, die Anspannung auf der Suche war größer als bei einer „absichtslosen“ Tour. Für meine entspannte Fotografie werde ich vermutlich weiterhin eher die Motive auf mich zukommen lassen als nach ihnen auf die Suche zu gehen. So hat halt jeder seine Art der Fotografie.

Bleibt entspannt

Nebel im Schopflocher Moor

Einzigartig ist das Schopflocher Moor bei jedem Wetter, denn es ist das einzige Hochmoor der Schwäbischen Alb. Ich hatte es zwar schon des Öfteren besucht, aber an diesem Tag war es das erste Mal, dass ich es bei Nebel erleben durfte.

Für manche mag Nebel auf die Stimmung drücken, bei mir löst er bei einer Fototour zumeist ein Hochgefühl aus. Nicht unbedingt nur wegen der Aussicht auf schöne Fotos sondern vielmehr, weil der Nebel den lauten Trubel der Welt verhüllt. Die Stille wirkt „lauter“, die Gerüche intensiver und manches, das sonst unaufgeräumt wirkt, wird vom Nebel verhüllt…

Gerne nehme ich euch mit auf den kurzen und wundervollen Weg durch das morgendliche Moor, hinein ins neblige Nichts:

Der Weg durch das Moor führt über einen Holzsteg hinein in einen kleines Wäldchen. So düster es auch wirkt, so fröhlich erklingen die Lieder der Singvögel am frühen Morgen rings um mich herum.

Dort wo der Wald nicht so dicht ist schwappt der Nebel hinein und lässt das Grün der Moorwiese und der Blätter ergrauen. Das Grau steht den Birken besonders gut.

Je weiter die Landschaft sich öffnet desto dichter wird der Nebel. Zwei Bäume in der Ferne lassen sich nur schemenhaft wahrnehmen. Sie scheinen gegenseitig ihre Nähe zu suchen um sicher sein zu können, dass sie nicht alleine sind.

Und je weiter ich mich vom Wald entferne, desto undurchdringlicher wird der Nebel. Die einzige Orientierung bietet der Steg über das Moor. Es scheint als führe er ans Ende der Welt …

Aber da ich solche Nebelstimmungen liebe mache ich mich sehr gerne auf den Weg, lasse mich von ihrer Ruhe umhüllen und wandere zum Entspannen hinein ins Nichts…

Bleibt entspannt…

Tagesanbruch auf den Hülenbuchwiesen

Die Hülenbuchwiesen sind Naturschutzgebiet auf der Zollernalb. Es bietet sowohl wundervolle Talblicke wie auch eindrucksvolle „Wiesenerlebnisse“. Bei meinen früheren Besuchen bin ich meist um das ganze Gebiet herum bis zum Hörnle gelaufen damit ich ja jeden Ausblick auf das darunter liegende Tal „mitnehmen“ kann. Aber dieses mal sollte es anders werden. Ich wollte die Zeit, die mir für den Besuch an diesem Morgen gegönnt war, bewusst erleben und die Eindrücke ganz entspannt auf mich wirken lassen. Daher entschied ich mich zur bewussten Reduzierung der Wegstrecke auf wenige hundert Meter.

Es war ein wundervoller optischer und durch die Vogelgesänge des Morgens auch akkustischer Genuss, mit dem ich alles andere gedanklich hinter mir lassen konnte. Gerne lade ich euch nachträglich ein, durch meine Fotos ein Stück des Weges mit mir zu gehen…

Schon bei meiner Ankunft am Parkplatz zeigten  sich die ersten Morgenfarben in der Ferne und bildeten einen wunderbaren Kontrast zu den Bäumen, die vom Licht noch nicht erleuchtet wurden.
Vom Rand der Hüllenbuchwiesen, mit seinen steil abfallenden Kanten, hat man stellenweise einen wundervollen Blick auf den Rand des Tales. Die Felsen an den Abbruchkanten sind nicht nur faszinierend anzuschauen sondern sind Kenner auch einzigartige Wiedererkennungsmerkmale
So faszinierend der Anblick des Tales mit seinen Orten auch ist, selbst zu  so frühen Morgenstunden machen sich die Klänge der Zivilisation bemerkbar. Jedes motorische Gefährt schickt seine Klänge in die Höhe  und vermischt sich mit dem romantischen Vogelgezwitscher.
Die besonderen Farben der Gegendämmerung, die hier zarte Wolken Pinkrosa erleuchten, bilden einen schönen Kontrast zu den intensiven warmen Farben der Sonnenaufgangsseite. Ergänzt wurde dieser optische Moment durch einen betörenden Wiesenduft.
Den Blick auf die andere Seite gerichtet zeigte nicht nur andere Farben am Himmel sondern auch noch eine Wolkenformation, die mich durch ihren Winkel am Himmel an nächtliche Szenen mit der Milchstraße erinnert. Das Schauspiel dauert nur wenige Minuten, dann hatte sie der Wind in den Höhen wieder aufgelöst.
Der Sonnenaufgang ist jedesmal ein besonderer Moment, der den Alltag in weite Ferne rücken lässt. Er symbolisiert den Neuanfang und zeigt uns, dass es jeden Tag die Chance auf neue wundervolle Momente gibt.
Zu solchen Momenten gehört, wenn die wärmenden Strahlen der Sonne durch die Alb-Wiesen streifen, deren wunderbare Vielfalt in einem besonderen Licht erstrahlen lassen und der frische Wind des Morgens die langstengeligen Gräser hin und her wiegt.
Aber nicht nur die Fülle der Pflanzen der Hülenbuchwiese ist beeindruckend. Jede Pflanze für sich ist auf ihre Weise einzigartig. Wir müssen uns nur die Zeit nehmen, sie zu betrachten und ihre Schönheit in uns aufzunehmen.
Aber natürlich bin es nicht nur ich und die Pflanzen die das frische Licht des Tages genießen. Auch die Tierwelt freut sich über den neuen Tag. An diesem Morgen waren es ganz besonders die Schmetterlinge, die sich mal sitzend und mal durch die tänzelnd an den ersten Sonnenstrahlen erfreuten

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesen Eindrücken, die ich in 2 wunderbaren Stunden auf den Hülenbuchwiesen erleben durfte, für ein paar Momente aus eurem Alltag heraus holen. Und wenn es euch möglich ist, geht raus in die Natur, öffnet eure Sinne für ihre Wunder und genießt was ihr seht, hört und riecht…

Bleibt entspannt…

Entspannte Fotografie im lrndorfer Hardt

Entspannte Fotografie – stressfrei, absichtlos und frei von Erwartungsdruck…

Das Gegenteil all dieser Eigenschaften hat meine Fotografie lange, ja zu lange begleitet. Auch heute noch bin ich nicht ganz frei davon, aber jedes Mal, wenn ich mich der entspannten Fotografie hingebe gibt es mir unendlich viel Ruhe, Kraft und Glück.

Dieser Blog entstand aus der Idee heraus, euch, lieber Leser, mitzunehmen in die Welt meiner entspannten Fotografie und mich selbst mit jedem Post daran zu erinnern die entspannte Fotografie zu leben.

Den Anfang möchte ich mit einem Ausflug ins Irndorfer Hardt, einem Naturschutzgebiet auf der schwäbischen Alb, machen. Ich besuche dieses faszinierende Gebiet am liebsten zur Margeritenblüte, aber auch zu anderen Jahreszeiten lohnt sich der Besuch. Wenn ihr mehr über das NSG wissen möchtest, findest Du es bei der Suche im Internet auch unter dem offiziellen Namen „Irrendorfer Hardt“

Da dies mein erster Post zur entspannten Fotografie ist, möchte ich Dich gerne mitnehmen in die Gedankenwelt, die mich während einer solchen Fototour begleitet. Vielleicht kennt ihr ja auch solche Gedanken während einer Fototour. Lasst mir doch gerne einen Kommentar mit euren Ideen zu meinen Gedanken oder euren eigenen Erfahrungen da.

  1. Die Fahrt

Die Fahrt beginnt an einem Sonntagmorgen im Mai um 3.45 Uhr. Ich habe die Straßen für mich alleine. Schon bei der Anfahrt ist es mir wichtig, neben dem wachen Blick für die Straße meine Gedanken zu beobachten. Spüre ich z.B. das Gefühl von Eile, weil ich das erste Licht nicht verpassen möchte? Oder es gibt etwas anderes das mich zur Unruhe antreibt? Dann wären das schlechte Voraussetzungen wirklich entspannt zu fotografieren. Zum Glück ist dies an diesem Morgen nicht der Fall und ich gleite ganz entspannt über die Straße, meinem Ausgangspunkt entgegen. Nach 1h15 komme ich an, ein Waldparkplatz 1,5 KM entfernt von meinem Foto-Ziel.

  1. Der Weg

Der Fußweg ist dann auch die nächste Entspannungsprobe, denn das erste Tageslicht zeigte sich bereits während der letzten Fahr-Kilometer am Himmel.
Ich spüre den Drang in mir, schnellen Schrittes durch den Wald zu hasten um ja nur schnell auf den Wiesen des Hardts zu stehen. Gebe ich diesem nach, werde ich mit hohem Puls zwar einige Minuten früher dort ankomen, dafür wird mir aber die innere Gelassenheit für den Genuß des Moments verloren gehen. Also entscheide ich mich für einen langsamen Gang um meine innere Eile im Zaum zu halten. Ich gebe zu, ich bin schon ein bisschen stolz, dass ich es schaffe, dem Drang zur Eile nicht nachzugeben.

Dann trete ich endlich aus dem Dunkel des Waldes auf einen Wiesenweg im Osten des Gebietes hinaus.

Der Blick auf den Mond als ich aus dem Wald auf das Hardt hinaus trete

Schon während des Fußweges habe ich die Lieder der Vögel akkustisch wahrgenommen, die den Tagesbeginn besingen. Aber erst jetzt mache ich sie mir richtig bewusst. Ich gönne mir trotz des schönen Lichtes ein paar Minuten Stillstand, ohne Fotografie und mit geschlossenen Augen, um diesen wundervollen Gesängen zu lauschen. Denn es ist einfach nicht möglich, während des Gehens, dieses akkustische Schauspiel angemessen zu genießen.

Nebelschwaden ziehen über das Hardt
  1. Das Fotografieren

Ab dem Moment, in dem ich die Augen wieder öffne und mich auf den Weg zu meinen Motiven mache gilt es, wieder auf meine Gedanken zu achten. Bin ich im absichtslosen Flow oder versuche ich unbedingt das eine, besondere Motiv zu finden? Für die Entspannung wäre das nicht gut. Denn hierfür ist es wichtig, die Motive nicht zu suchen sondern sie auf mich zukommen zu lassen. Die Suche nach Motiven führt nämlich ganz schnell zu einer Anspannung – einer Art Tunnelblick – der versucht, jedes erdenkliche Motiv zu erspähen und das schönste ja nicht zu verpassen.

So sinnvoll dies für das Ergebnis auch sein mag, so hinderlich ist es für die Entspannung beim Fotografieren. Deshalb habe ich mir angewöhnt, mir während meines Weges immer wieder bewusst zu machen, dass ich nicht suchen muss, sondern schauen möchte. Schauen was um mich herum geschieht, dies in mich aufnehmen und abzuwarten, bis mir mein Inneres signalisiert, dass mich das Motiv gefunden hat.

Birke im Gegenlicht

Dies kommt an diesem Morgen öfters vor, denn über den Wiesen wabern kleine Nebelfelder. Rund um mich herum gibt es eine Unmenge wundervoller Motive. Daher muss ich darauf achten, dass ich mich nicht von der Vielfalt antreiben lasse und alles auf einmal fotografieren möchte. Also, Durchatmen und so die innere Eile wegatmen. Freunde der „Achtsamkeit“ haben hier längst bemerkt, dass ich dieses „Mittel“ für mehr Zufriedenheit und Glück aktiv in meine Fototouren auf meine Weise eingebaut habe. Wer Achtsamkeit und ihre Wirkung noch nicht kennt, sollte dies unbedingt mal ausprobieren. Sie lässt sich in fast alle Lebensbereiche integrieren.

  1. Das „Negativ“

Wenn ich dann vor meinem Motiv stehe läuft eine Routine ab die es nicht nötig macht, während der Fotografie an Einstellungen der Kamera zu denken. Dabei verfolge ich keinen Plan, kein vorgefertigtes Bild im Kopf. Vielmehr schaue ich auf das Motiv und beobachte bei mir selbst, ob ich die Szene gesamthaft betrachte oder ob ich meinen Blick auf ein Detail fokussiere. Dies entscheidet dann darüber, welches Objektiv ich auf meine Kamera setze. Nun erfolgt die Feinjustierung. Ich aktiviere meinen Monitor und wähle den Bildausschnitt. Hier ist ein wichtiges Leitmotiv die Minimierung, denn ich möchte ja genau die Ruhe, die ich bei meinen Frühtouren suche, auch in meinen Fotografien abbilden. Und das geht selten mit komplexen Landschaftsmotiven sondern am ehesten mit Reduktion der Szenerie. Dies ist auch der Grund, warum mein 100-400mm Zoom mein Lieblingsobjektiv ist.

Birke in der Morgendämmerung

Die Bedienung der Kamera für Zeit, Blende, ISO, Lichttemperatur und Fokuspunkt ist tausendemale geübt und erfolgt quasi „blind“. Gerne nutze ich durch die meist hohen Kontraste am frühen Morgen Belichtungsreihen. Zwar reicht letztlich oft eine Aufnahme aus aber ich möchte mich beim fotografieren nicht mit der Frage beschäftigen ob nicht vielleicht eine halbe oder ganze Blende mehr oder weniger besser gewesen wäre. Und anders als in der analogen Zeit, als das Filmmaterial ein Kostenfaktor war, spielt in der digitalen Welt die Fotomenge bei der Aufnahme keine wirkliche Rolle mehr.

  1. Das „Positiv“

Da ich immer im RAW Format fotografiere komme ich gar nicht umhin, meine Aufahmen zu bearbeiten. Hierbei nutze ich – ähnlich wie bei der Aufnahme – meine lange eingeübten Routinen. Mit der immergleichen Software und dem selben Bearbeitungsmuster erschaffe ich Ergebnisse ohne schon zu Beginn einem konkreten Ziel zu folgen. Selten habe ich dabei eine klare Vorstellung von dem finalen Ergebnis. Vielmehr gehe ich meine Schritte durch und achte darauf, wie meine innere Reaktion auf das Ergebnis ist. Wenn mir das Ergebnis gefällt ist es fertig…

Lange Zeit musste ich mir eingestehen, dass die Bildentwicklung keine entspannende Wirkung auf mich hatte. Obwohl sie mir Spaß machte. Erst als ich erkannte, dass ich wegen der vollen Konzentration auf das Ergebnis oft ziemlich angespannt war fand ich den Weg auch die Bildbearbeitung zur Entspannung zu nutzen. Es gilt – wie bei der Aufnahme auch – auf die eigene Atmung zu achten und diese bewusst für das eigene Wohlbefinden einzusetzen.

Baum im Gegenlicht
  1. Die „Betrachtung“

Der letzte Schritt in der entspannten Fotografie ist für mich das konzentrierte Betrachten des fertigen Bildes. Dabei versinke ich nochmals in die Empfindungen der Aufnahme und hole mir so den Moment zurück. Das Besondere hierbei ist, dass ich solange ich das Bild betrachte den Moment beliebig verlängern.

Und natürlich hoffe ich, dass meine Bilder auch euch als Betrachter ein Stück Entspannung und Freude geben. Dann bin ich nicht nur entspannt sondern auch sehr zufrieden 🙂

Bleibt entspannt…